29. MAI 15. JUNI

»THIRD STONE FROM THE SUN«

PAUL DIESTEL +

FREDERICK VIDAL

Manchmal wachen wir auf und stellen fest, ähnlich einem Gregor Samsa, dass die Welt eine andere ist. Ihre Metamorphose kann allerdings gar nicht so plötzlich passiert sein, denn die Welt verändert sich nicht schlagartig. Unser Blickwinkel dagegen kann sich mit einem Wimpernschlag verschieben. Und dann ist alles irgendwie anders – scheinbar.

Ob die Welt wirklich so ist, wie wir sie empfinden, stellen auch die Werke von Paul Diestel und Frederick Vidal in »Third Stone from the Sun« (»Dritter Stein der Sonne«) in Frage. Scheinbar Bekanntes wirkt absonderlich und Fremdes vertraut.

Mit den Mitteln der Fotografie und der Bildhauerei ermöglichen uns die Künstler einen Perspektivwechsel. Ihre Werke laden ein, das vermeintlich Gewohnte zu verlassen und zu entdecken, in was sich der »dritte Stein“ verwandelt. Dabei liegen Schönheit und Schrecken, Ordnung und Chaos, Wirklichkeit und Täuschung dicht beieinander. Um den Unterschied zu erkennen und die Grundbausteine zu begreifen, ist es manchmal notwendig, sie von ganz weit oben zu betrachten. Sollte das gelingen, kann jemand im All immer noch sagen:

 

Hendrix: »May this be Earth, over.«

Chandler: »Positive. It is known to have some form of intelligent species, over.«

Hendrix: »I think we should take a look.«

 

Paul Diestel ist 1996 in Schweinfurt geboren und studiert an der Kunsthochschule Kassel. In seinen Skulpturen leitet er die Formen direkt aus der Natur ab – Knospen, Körner, Kerne, Larven oder leere Zwischenräume. Die stark vergrößerten (oder stark verkleinerten) Objekte entziehen sich ihrer Selbstverständlichkeit, ohne ihren Ursprung zu verleugnen. Ähnlich einer lyrischen Reduktion definiert Paul Diestel eine schlichte aber klangvolle Geometrie. Die ausschließlich aus Naturmaterialien geschaffenen Körper flimmern in ihrer Transzendenz zwischen Erinnerung und Fakt. Sie zeigen das große Ganze im ganz Kleinen und bilden so ein dichtes, körperliches Statement.

 

Frederick Vidal ist 1977 in Marburg an der Lahn geboren und studierte an der Kunsthochschule Kassel, wo er 2009 Meisterschüler in der Klasse für Fotografie bei Prof. Bernhard Prinz war. In seinen Fotografien verleiht er der dokumentarischen Untersuchung die Kraft des poetischen Experiments. Oberflächen, Strukturen und Texturen sind in seinen Bildern mehr als nur ästhetische Grundsteine. Sie verdeutlichen den Wechselbezug von Absicht und Zufall und legen Spannungen gegensätzlicher Prozesse offen. Seine Motive findet er oft an Orten, die ein gesellschaftliches Schattendasein führen: Mülldeponien, Kläranlagen oder Tierverwertungsanlagen. Frederick Vidal lenkt mit verlockenden Oberflächen unsere Aufmerksamkeit auf die Blindflecken der Urbanität. Ganz ohne moralischen Zeigefinger konfrontiert er uns mit unseren Hinterlassenschaften und hält uns gefangen in der Schönheit des Abscheulichen.

 

Eröffnung:

Donnerstag, 24.05.2018 / 19:30 Uhr

 

Dauer:

29. Mai–15. Juni 2018 (31.05. geschlossen)

 

Öffnungszeiten:

DienstagFreitag / 16–20 Uhr

 

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