15. JuLi—05. AUGUST 2016

»HEARTBREAK HOTEL—

LIFE IMITATES ART«

ANN SCHOMBURG

In den medial breit gefächerten Arbeiten der Künstlerin Ann Schomburg verschmelzen Kunst und Leben miteinander zu einer schillernden Erzählung, die zwischen lasziver Oberflächlichkeit und scheinbar intimen Momenten changiert. Dabei hat der in High Heels und mit rotem Lippenstift gestaltete Gestus des Zeigens etwas Entblößendes, das provozierend und selbstreflexiv um die der Rolle der Künstlerin und der Frau kreist.

 

In den Räumen der Galerie Coucou präsentiert Ann Schomburg ein kreisrundes Bett ausstaffiert mit »Gods & Monsters«, welches gleichsam Altar und Ort für kitschige Bedtimestories ist. In den Auszügen der Fotoserie »Contragic diva« schaut man auf Nahaufnahmen diverser bühnenhaft inszenierter Utensilien eines Starlets. Die großformatigen Arbeiten der Reihe »Storytime« (2016) zeigen visualisierte Youtubezitate#Storytime Videos, in denen Heranwachsende in einer scheinbaren Gegenbewegung zu den Anonymous AktivistInnen intimste Details ihres Privatlebens preisgeben. Die Künstlerin hat diese Aufnahmen mit verschiedenen malerischen Techniken überarbeitet. In der Anmutung von Comicstrip und Popkultur lärmt es aus den Bildern heraus: He did What?, I promised What? I was the sidechick, I catfished my ex. Geöffnete Reallife-Handtaschen, geben in der Arbeit »Bags« Blicke auf ihr privates Innenleben frei. Spiegelnde Bilder, exzessives Nageldesign, die nächtliche Videoprojektion »Dancing with the skunk« bilden weitere Bruchstücke des Universums der Künstlerin.

 

Die Objekte und Installationen der Ausstellung sind für den Betrachter ebenso Ausgangspunkt der Auseinandersetzung wie sie auch für die Künstlerin selbst am Beginn ihrer Arbeit stehen: »Assoziatives Interpretieren von Formen und Finden von Geschichten interessieren mich mehr als das Zielgerichtete. Äußere Reize können Erinnerungen an Verdrängtes auslösen, Verbindungen aufbauen«, sagt Ann Schomburg über ihrer Vorgehensweise.

 

Ann Schomburg wurde 1984 in Northeim geboren. Sie hat an der Kunsthochschule in Kassel in der Klasse von Bjørn Melhus, Urs Lüthi und Joel Baumann studiert. Während ihres Studiums wurde sie mit dem UPK Kunstpreis und dem Kunstpreis der Zippelstiftung der Stadt Kassel ausgezeichnet. Seit ihrem Abschluss als Meisterschülerin von Urs Lüthi im Jahr 2013 ist sie in nationalen und internationalen Ausstellungen vertreten und wurde zu Residencies wie Canale Grande, der Urbanen Künste Ruhr oder dem Künstlerdorf Schöppingen eingeladen. Im Jahr 2015 wurde sie mit dem Wiener Magreten Preis als Nachwuchskünstlerin gefördert und seit 2016 wurde sie in das Frauennetzwerk Saloon aufgenommen, welches ein Zusammenschluss von Kuratorinnen, Galeristinnen, Journalistinnen und Künstlerinnen in Berlin ist. Ann Schomburg lebt und arbeitet derzeit in Berlin und Frankfurt am Main.

09. JuLi—11. SEPTEMBER 2016

»ECHOS«

Elf künstlerische Positionen aus der Kunsthochschule Kassel IM Museum für Sepulkralkultur

 

Valeria Abendroth / Caroline Bernhardt / Paul Diestel / Dominic Fey / Leonie Liora Fischer / Julia-Johanna Geiß / Thilo Jenssen / Silke kleine Kalvelage / Marina Rengel Lucena / Erik Schäfer / Clara Winter

»Was wir die Wirklichkeit nennen, ist eine bestimmte Beziehung zwischen Empfindungen und Erinnerungen, die uns gleichzeitig umgeben.«

Marcel Proust

 

Für die Ausstellung ECHOS hat das Museum für Sepulkralkultur in Kooperation mit der Galerie Coucou elf künstlerische Positionen aus der Kunsthochschule Kassel ausgewählt. Die Sichtung der Arbeiten ließ einen direkten Bezug der künstlerischen Auseinandersetzung zu den Kernfragen des Museums erkennen insbesondere mit dem Fokus auf die Themen Sterben und Erinnern.

 

Die künstlerischen Reflexionen können unterschiedlicher nicht sein. Die Themen reichen von politisch brisanten Ereignissen wie dem Dokumentarfilm von Julia Geiss über Menschen, die aufgrund eines HIV-verseuchten Blutpräparates für Bluterkranke verstorben sind, oder der Arbeit von Leonie Fischer, die fotografisch und zeichnerisch die Spuren ihres als Zwangsarbeiter in Kassel arbeitenden belgischen Urgroßvaters rekonstruiert, bis hin zu der Videoinstallation von Marina Rengel Lucena über die franquistische Gedenkstätte nordöstlich von Madrid und seiner bis heute unversöhnten Geschichte, Clara Winter verarbeitet den Schrecken über den plötzlichen Tod eines Freundes in stillen Bildern ihrer filmischen Arbeit.

 

Erik Schäfer begibt sich in seiner Installation in die Abgründe der menschlichen Psyche, und auch Thilo Jenssen eröffnet uns als Betrachter in seiner Malereiserie ganz neue Perspektiven in der Begegnung mit Ikonen bzw. Vertretern verschiedener Ideologien und Überzeugungen. Silke kleine Kalvelage lenkt ihren Blick auf Vergängliches, was unvergänglich ist, und stellt uns vor die Frage, was am Ende bleibt. Paul Diestel setzt sich mit einem keltischen Hügelgräberfeld auseinander und transponiert Nicht-Sichtbares in eine künstlerische Form. Bei Valeria Abendroth wird die Bearbeitung des Materials Linoleum zum gestalterischen Prozess, intuitive Visionen lassen Kontur und Profil entstehen, und setzen Erinnerungen in Bewegung.

 

Caroline Bernhardt nutzt Überlegungen und Erkenntnisse der Biologie und fügt diesen in ihrer skulpturalen Arbeit Persönliches hinzu. Sie experimentiert mit den Voraussetzungen der wissenschaftlichen Disziplinen und übersetzt sie in ihre künstlerische Suche. Dominic Fey erkundet in seiner Arbeit die parasitäre Symbiose von Wasserinsekten und fleischfressenden Pflanzen und stellt damit auch die Frage nach dem Überleben.

 

Alle Kunstwerke arbeiten auf je individuelle Weise mit dem Unvermeidlichen, das wir aus unserem alltäglichen Erleben verbannt haben und rücken die Thematik des Museums für Sepulkralkultur in neue Blickwinkel.

 

Museum für Sepulkralkultur

Weinbergstraße 25–27 / 34117 Kassel

Öffnungszeiten: Di 10–17 Uhr / Mi 10–20 Uhr / Do bis So 10–17 Uhr

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