29. Juli 25. August

»The Paramount Affairs«

JANIS AVOTINS

Wie Gestalten aus Zwischenwelten, nicht fassbar und dennoch präsent, zeigen sich die Figuren in den verschwiegenen und oft traumverlorenen Seelenlandschaften des lettischen Malers Janis Avotins. »The Paramount Affairs« sind die malerisch gefassten Angelegenheiten zwischen verwerflichen Machenschaften und Liebesabenteuern überschrieben. Trotz der oft bereits ans Abstrakte grenzenden Darstellung und der Reduktion der Figuren auf Schatten und Flächen, verdichtet sich die Atmosphäre in der Leere und Weite der Bildräume. Avotins zeigt ein Gespür für Gesten und das Unaussprechliche, was er zwischen seinen Figuren, die oft am Rande des Verblassens stehen, oder in der präzise gefassten Unschärfe von Landschaft und Figur, heraufbeschwört. Ausgehend von Fotografien löst er Figuren aus ihren Kontexten und isoliert sie. So, ohne Umgebungseinbettung und somit zuordenbare Milieus oder Funktionen, sind auf sich allein zurückgeworfen – gespenstisch, manchmal seltsam leuchtend steigen sie aus den lasierenden Farbschichten auf. »Ich vermeide Eindeutigkeit«, sagt Avotiņš, denn »allzu leicht wird es illustrativ, und natürlich versuche ich, in meiner Malerei aufrichtig zu sein«. (Jens Asthoff, »Schweigen, Schauen – Malerei von Janis Avotins«, 2008) Dunkle Farbpigmente, die an der Struktur der Leinwand haften bleiben und somit eine feine Körnung der Oberflächen entstehen lassen, erinnern an alte Fotografien oder Zeitungsbilder und bilden zugleich Farbnebel. »Was Avotins in der Malerei formuliert, ist wirklichkeitsbezogen und kennt doch kein Außerhalb des Bildes. Es hat in einer nicht weiter zu reduzierenden, auch nicht durch Worte zu ersetzenden Weise mit Schauen zu tun. Ganz offensichtlich interessiert Avotins in seiner Kunst das Unsagbare, und etwas Entscheidendes an ihr ist eine besondere Art des Schweigens.« (ebd.).

 

Jānis Avotiņš wurde in Lettland geboren und hat an der Kunstakademie von Lettland studiert. Im In‐ und Ausland ist er mit zahlreichen Einzel‐ und Gruppenausstellungen präsent, wie unter anderem im Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen, Contemporary Art Center Vilnius, Bundeskunsthalle Bonn, HVCCA New York und Kestnergesellschaft Hannover. Seine Werke sind unter anderem in der Sammlung von The Saatchi Gallery (London) und der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland vertreten.

 

Eröffnung: Samstag, 29. Juli 2017 / 19:30 Uhr

 

Dauer: 01. – 25. August

 

Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag / 16:00 – 20:30 Uhr

(und nach Vereinbarung)

 

06. Juni21. Juli

»TRANSMISSION ERROR &

SIMILAR DISASTERS«

URS LÜTHI

 

Wir freuen uns, Urs Lüthi erneut in der Galerie Coucou zu präsentieren. Zu sehen sind neue Werke die in den letzten zwei Jahre entstanden sind, unter anderem aus den Serien »TRANSMISSION ERROR« und »LOST DIRECTION«.

 

Sensibel und sicher inszeniert Urs Lüthi seine Bilder und Skulpturen inmitten eindrucksvoller Farben und verwandelt so die Räume der Galerie in eine Gesamtinstallation. Die verschiedenen Werkgruppen greifen ineinander und manifestieren die starke Präsenz des Künstlers in eine verwirrende Mischung aus Schönheit und Tragik, ästhetischem Genuss und erhabenem Scheitern.

Es entsteht ein Kaleidoskop philosophischer Reflexionen – bar jedem Pathos aber voller Gefühl und nicht ohne den für Urs Lüthi typischen Humor und gesunden Realismus. Oder wie im Text von Valerio Dehò (Bolzano, 2016) über Urs Lüthi: » … ein Leben als Künstler ist in jedem Fall der Kapitulation vor der Banalität der Wirklichkeit vorzuziehen.«

 

Urs Lüthi ist seit den 1960/70er Jahren eine feste Größe im Kunstbetrieb. Er war Teilnehmer der documenta 6 und bespielte den Schweizer Pavillon bei der 49. Biennale in Venedig. Zahlreiche monografische Publikationen widmen sich seinem Werk. Der Künstler wurde unter anderem mit dem Arnold-Bode-Preis der Stadt Kassel und dem Kunst- und Kulturpreis der Stadt Luzern ausgezeichnet. Seine Werke befinden sich in renommierten privaten und öffentlichen Sammlungen, u. a. Sammlung Falckenberg Hamburg, Kunsthalle Stuttgart, Lenbachhaus München, Centre Pompidou Paris, Museum der Moderne Salzburg, Städel Museum Frankfurt, Hamburger Kunsthalle, ZKM Karlsruhe, MACBA Barcelona, Kunstmuseum Bern und Museumslandschaft Hessen Kassel.

 

Zu Eröffnung erscheint das Buch Nopression. Ausgangspunkt für diese Publikation ist die gleichnamige Ausstellung, die 2014 von der Galerie Coucou organisiert wurde. Darin werden die künstlerischen Positionen von Urs Lüthi und weiteren 50 Künstler/innen, die er in seiner zwanzigjährigen Tätigkeit an der Kunsthochschule Kassel unterrichtet hat, präsentiert. Die Eröffnung am Freitag dem 02. Juni 2017 ist eine gute Gelegenheit, ein signiertes Exemplar zu bekommen.

 

Eröffnung: Freitag, 02. Juni 2017 / 19:30 Uhr

 

Dauer: 06. Juni – 21. Juli

 

Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag / 16:00 – 20:30 Uhr

(und nach Vereinbarung)

 

09. Dezember—20. Januar

»SAMOWAR«

KUNST, TEE + SENSATIONEN

 

Darius Am Wasser / Peter Anders / Stephan Balkenhol Slawomir Elsner / Andrea Grützner / Anna Holzhauer Nina Jansen / Kokimoto / Urs Lüthi / Martinafischer13 Rana Matloub / Michaela Meise / Nathalie Mohadjer Sabine Rollnik / Robert Sturmhoevel / Maja Wirkus

 

Zum sechsten Mal lädt die Galerie Coucou zu „Samowar: Kunst, Tee und Sensationen“ ein. Mit dieser Jahresausstellung möchten wir ein ereignisreiches Jahr abschließen und traditionsgemäß die Kunst zusammen feiern. Bei einer Tasse heißem Tee aus dem Samowar können die ausgestellten Kunstwerke bestaunt, besprochen und erworben werden. Es erwarten Sie Werke mit einer großen thematischen und formalen Vielfalt.

 

Eröffnung: Freitag, 09.12.2016 / 19:30 Uhr

 

Dauer: 13. 12.2016 – 20.01.2017

 

Öffnungszeiten: Montag – Freitag / 16 – 19 Uhr

(und nach Vereinbarung)

 

Wir wünschen einen fabelhaften Dezember und freuen uns auf Sie.

13. OKTOBER—25. NOVEMBER 2016

»HOME RUN«

STEPHAN BALKENHOL

Der international renommierte Bildhauer Stephan Balkenhol zeigt in den Räumen der Galerie Coucou erste Werke, die im neu gebauten Kasseler Atelier entstehen.

 

Stephan Balkenhol ist Nordhesse. Geboren in Fritzlar, absolvierte er sein Abitur in Kassel, bevor er zum Studium an die Hochschule für bildende Künste nach Hamburg ging. Hier studierte er u.a. bei Ulrich Rückriem und nahm nach dem Abschluss Lehraufträge an verschiedenen Kunsthochschulen an. Seit 1992 lehrt er als Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Neben einem Atelier im französischen Meisenthal hat Stephan Balkenhol seit vier Jahren seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt nach Kassel verlagert.

 

Vor wenigen Wochen ist Balkenhols neues Atelier im Kasseler Stadtteil Nord-Holland eingeweiht worden – ein sogleich preisgekrönter Entwurf des Kasseler Büros Punkt4 Architekten. Erste Grafiken, Reliefs und Skulpturen, die hier entstehen, werden ab dem 15. Oktober 2016 unter dem Titel „Home Run – Stephan Balkenhol“ in den Räumen der Galerie Coucou zu sehen sein.

 

In schneidender, sägender und schnitzender Auseinandersetzung in Holz hat Stephan Balkenhol seit den späten 1970er Jahren seine Weltaneignung vorangetrieben. „Balkenhols phänomenales bildhauerisches Können besteht darin, [...] dass er die menschlichen Gestalten nie glatt und künstlich aus dem Material herausschält“, sagt Matthias Winzen (Kurator der aktuellen großen Einzelausstellung Stephan Balkenhols im Moscow Museum of Modern Art) über die grob gehauenen, farbig gefassten Holzfiguren, die die Arbeitsspuren deutlich erkennen lassen. Seit über dreißig Jahren ringt der Künstler in seinen Skulpturen um die menschliche Figur und die Grundfragen der menschlichen Existenz. „Dabei geht es nicht ohne Experiment und Wagnis. Ich vermeide es, Effekte erhaschen zu wollen oder Themen nur oberflächlich zu streifen. Wichtig ist es mir, Themen tiefgründig und in ihrer Komplexität zu erfassen“, sagt Balkenhol über seine Arbeiten.

 

Das Besondere an seinen Figuren ist die Ambivalenz ihres Ausdrucks. Sie lassen sich auf keinen Gefühlszustand festschreiben, könnten in jedem Moment zu lachen oder zu weinen beginnen. Dieses Dazwischen schafft Bewegung im Betrachter und macht die Skulpturen zu hölzernen Spiegeln, in denen er sich selbst betrachtet, und wo er Antworten bekommt auf Fragen der eigenen Wahrnehmung, der Existenz – wenn dies auch keine endgültigen Antworten sind. „Die Figuren Balkenhols versetzen den Betrachter in die Situation, hinter ihrer Anwesenheit nichts als seine eigenen Wahrheitsansprüche zu entdecken. Diese Entdeckung geht einher mit der Wahrheitsverweigerung der Figuren.“ (Christian Michelsen im Ausstellungskatalog anlässlich der Einzelausstellung Balkenhols in den Hamburger Deichtorhallen 2008)

 

Ebenso wie die formende und schnitzende Auseinandersetzung mit Welt haben Zeichnung und Fotografie das künstlerische Schaffen Stephan Balkenhols schon immer begleitet. Es sind oft Vorstudien zu Skulpturen oder Plastiken, Ideenskizzen oder Konzepte, die aber nicht unbedingt skulptural ausgearbeitet werden müssen. „Zeichnung ist zum einen ein sehr direktes wie auch unmittelbares Medium. Mit wenigen Strichen lassen sich große Geschichten erzählen“, sagt Stephan Balkenhol, „man kann die Welt auf den Kopf stellen, Kühe fliegen lassen und Nichtsagbares formulieren.“ In Form von in Holz geschnitzten Zeichnungen (woodcut-drawings) bewegt er sich mit seinen grafischen Arbeiten der letzten Jahre auf einer Grenze zwischen Skulptur und Zeichnung.

 

Stephan Balkenhols Werke sind seit den 1980er Jahren in zahlreichen nationalen wie internationalen Ausstellungen präsent und finden sich in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen.

 

„Wir sind besonders glücklich, Stephan Balkenhol mit einer Ausstellung in unseren Galerieräumen im Vorderen Westen zeigen zu dürfen und ihn damit in Kassel willkommen zu heißen“, so Galerieleiter Milen Krastev. Seit ihrer Gründung im Jahr 2008 hat sich die „Galerie Coucou“ zu einer der führenden Adressen im Kulturleben der Stadt Kassel entwickelt und zeigt in Gruppen- und Einzelausstellungen aktuelle künstlerische Positionen von jungen genauso wie von etablierten Künstlern. Dafür wurde die Galerie Coucou mit dem Kulturförderpreis der Stadt Kassel geehrt.

 

Eröffnung

13.10.16 ab 18:30 Uhr

um 20:00 Uhr Begrüßung durch Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen

 

Künstlergespräch

15.10.16 um 18:30 Uhr

03.—30. SEPTEMBER 2016

»Das Mädchen mit dem Fächer«

Slawomir Elsner

 

KASSELER MUSEUMSNACHT IN DER GALERIE COUCOU

03. SEPTEMBER / 17:00—01:00 UHR

Slawomir Elsner verwandelt mittels Bild, Objekt und Installation die Räume der Galerie Coucou in eine poetische Erzählung über die Geheimnisse der Vorstellungskraft, Reproduktionslust und spekulativem Wissen. Dabei hinterfragt er geschickt die Reduktion der Malerei und schafft dadurch ganz neue Möglichkeiten für geistige sowie emotionale und ästhetische Erfahrungen.

 

In diesem Kontext versteht sich „Das Mädchen mit dem Fächer“ als ein Sinnbild für die Spurensuche auf die sich der Künstler in seiner Recherche für diese Ausstellung gemacht hat. Einige seiner neuesten Werke sind das Ergebnis dieser Nachforschungen, die ihn immer wieder auch nach Kassel geführt haben.

 

Slawomir Elsner lässt uns durch ein Netz von Strichen, dichten Pigmentflächen oder verwirrenden Silhouettenspielen in der Kunstgeschichte und somit auch in unsere eigene Vergangenheit hineinschauen. Durch die schillernden Oberflächen vermuteter Erinnerungen erkennen wir verloren geglaubte und wiedergefundene Kunstwerke alter wie neuer Meister.

 

So geht es in „Das Mädchen mit dem Fächer“ nicht nur um die Arbeiten eines jungen Künstlers, dessen Bilder unter anderem in Sammlungen wie Bechtler Museum of Modern Art (North Carolina, US), der Deutschen Börse (Frankfurt a. M.) und Staatlichen Kunstsammlungen (Dresden) zu finden sind, sondern auch um seine Beziehung zu Kassel. Der in Berlin lebende Künstler hat 2002 seinen Abschluss an der Kunsthochschule Kassel gemacht, 2010 waren seine Arbeiten im Kasseler Kunstverein zu sehen.

15. JuLi—05. AUGUST 2016

»HEARTBREAK HOTEL—

LIFE IMITATES ART«

ANN SCHOMBURG

In den medial breit gefächerten Arbeiten der Künstlerin Ann Schomburg verschmelzen Kunst und Leben miteinander zu einer schillernden Erzählung, die zwischen lasziver Oberflächlichkeit und scheinbar intimen Momenten changiert. Dabei hat der in High Heels und mit rotem Lippenstift gestaltete Gestus des Zeigens etwas Entblößendes, das provozierend und selbstreflexiv um die der Rolle der Künstlerin und der Frau kreist.

 

In den Räumen der Galerie Coucou präsentiert Ann Schomburg ein kreisrundes Bett ausstaffiert mit »Gods & Monsters«, welches gleichsam Altar und Ort für kitschige Bedtimestories ist. In den Auszügen der Fotoserie »Contragic diva« schaut man auf Nahaufnahmen diverser bühnenhaft inszenierter Utensilien eines Starlets. Die großformatigen Arbeiten der Reihe »Storytime« (2016) zeigen visualisierte Youtubezitate#Storytime Videos, in denen Heranwachsende in einer scheinbaren Gegenbewegung zu den Anonymous AktivistInnen intimste Details ihres Privatlebens preisgeben. Die Künstlerin hat diese Aufnahmen mit verschiedenen malerischen Techniken überarbeitet. In der Anmutung von Comicstrip und Popkultur lärmt es aus den Bildern heraus: He did What?, I promised What? I was the sidechick, I catfished my ex. Geöffnete Reallife-Handtaschen, geben in der Arbeit »Bags« Blicke auf ihr privates Innenleben frei. Spiegelnde Bilder, exzessives Nageldesign, die nächtliche Videoprojektion »Dancing with the skunk« bilden weitere Bruchstücke des Universums der Künstlerin.

 

Die Objekte und Installationen der Ausstellung sind für den Betrachter ebenso Ausgangspunkt der Auseinandersetzung wie sie auch für die Künstlerin selbst am Beginn ihrer Arbeit stehen: »Assoziatives Interpretieren von Formen und Finden von Geschichten interessieren mich mehr als das Zielgerichtete. Äußere Reize können Erinnerungen an Verdrängtes auslösen, Verbindungen aufbauen«, sagt Ann Schomburg über ihrer Vorgehensweise.

 

Ann Schomburg wurde 1984 in Northeim geboren. Sie hat an der Kunsthochschule in Kassel in der Klasse von Bjørn Melhus, Urs Lüthi und Joel Baumann studiert. Während ihres Studiums wurde sie mit dem UPK Kunstpreis und dem Kunstpreis der Zippelstiftung der Stadt Kassel ausgezeichnet. Seit ihrem Abschluss als Meisterschülerin von Urs Lüthi im Jahr 2013 ist sie in nationalen und internationalen Ausstellungen vertreten und wurde zu Residencies wie Canale Grande, der Urbanen Künste Ruhr oder dem Künstlerdorf Schöppingen eingeladen. Im Jahr 2015 wurde sie mit dem Wiener Magreten Preis als Nachwuchskünstlerin gefördert und seit 2016 wurde sie in das Frauennetzwerk Saloon aufgenommen, welches ein Zusammenschluss von Kuratorinnen, Galeristinnen, Journalistinnen und Künstlerinnen in Berlin ist. Ann Schomburg lebt und arbeitet derzeit in Berlin und Frankfurt am Main.

09. JuLi—11. SEPTEMBER 2016

»ECHOS«

Elf künstlerische Positionen aus der Kunsthochschule Kassel IM Museum für Sepulkralkultur

 

Valeria Abendroth / Caroline Bernhardt / Paul Diestel / Dominic Fey / Leonie Liora Fischer / Julia-Johanna Geiß / Thilo Jenssen / Silke kleine Kalvelage / Marina Rengel Lucena / Erik Schäfer / Clara Winter

»Was wir die Wirklichkeit nennen, ist eine bestimmte Beziehung zwischen Empfindungen und Erinnerungen, die uns gleichzeitig umgeben.«

Marcel Proust

 

Für die Ausstellung ECHOS hat das Museum für Sepulkralkultur in Kooperation mit der Galerie Coucou elf künstlerische Positionen aus der Kunsthochschule Kassel ausgewählt. Die Sichtung der Arbeiten ließ einen direkten Bezug der künstlerischen Auseinandersetzung zu den Kernfragen des Museums erkennen insbesondere mit dem Fokus auf die Themen Sterben und Erinnern.

 

Die künstlerischen Reflexionen können unterschiedlicher nicht sein. Die Themen reichen von politisch brisanten Ereignissen wie dem Dokumentarfilm von Julia Geiss über Menschen, die aufgrund eines HIV-verseuchten Blutpräparates für Bluterkranke verstorben sind, oder der Arbeit von Leonie Fischer, die fotografisch und zeichnerisch die Spuren ihres als Zwangsarbeiter in Kassel arbeitenden belgischen Urgroßvaters rekonstruiert, bis hin zu der Videoinstallation von Marina Rengel Lucena über die franquistische Gedenkstätte nordöstlich von Madrid und seiner bis heute unversöhnten Geschichte, Clara Winter verarbeitet den Schrecken über den plötzlichen Tod eines Freundes in stillen Bildern ihrer filmischen Arbeit.

 

Erik Schäfer begibt sich in seiner Installation in die Abgründe der menschlichen Psyche, und auch Thilo Jenssen eröffnet uns als Betrachter in seiner Malereiserie ganz neue Perspektiven in der Begegnung mit Ikonen bzw. Vertretern verschiedener Ideologien und Überzeugungen. Silke kleine Kalvelage lenkt ihren Blick auf Vergängliches, was unvergänglich ist, und stellt uns vor die Frage, was am Ende bleibt. Paul Diestel setzt sich mit einem keltischen Hügelgräberfeld auseinander und transponiert Nicht-Sichtbares in eine künstlerische Form. Bei Valeria Abendroth wird die Bearbeitung des Materials Linoleum zum gestalterischen Prozess, intuitive Visionen lassen Kontur und Profil entstehen, und setzen Erinnerungen in Bewegung.

 

Caroline Bernhardt nutzt Überlegungen und Erkenntnisse der Biologie und fügt diesen in ihrer skulpturalen Arbeit Persönliches hinzu. Sie experimentiert mit den Voraussetzungen der wissenschaftlichen Disziplinen und übersetzt sie in ihre künstlerische Suche. Dominic Fey erkundet in seiner Arbeit die parasitäre Symbiose von Wasserinsekten und fleischfressenden Pflanzen und stellt damit auch die Frage nach dem Überleben.

 

Alle Kunstwerke arbeiten auf je individuelle Weise mit dem Unvermeidlichen, das wir aus unserem alltäglichen Erleben verbannt haben und rücken die Thematik des Museums für Sepulkralkultur in neue Blickwinkel.

 

Museum für Sepulkralkultur

Weinbergstraße 25–27 / 34117 Kassel

Öffnungszeiten: Di 10–17 Uhr / Mi 10–20 Uhr / Do bis So 10–17 Uhr

25. Juni—01. Juli 2016

»liminal«

Brigit Edelmann

Der Maulwurf wohnt im Nirgendwo

 

Grenzen, Wände, Transiträume, kurz: die Momente, die zwischen zwei Orten liegen. Brigit Edelmann thematisiert in ihrer Austellung liminal in der Galerie Coucou und dem Ausstellungsraum Lage ihre Frage nach der Gleichzeitigkeit der Dinge und dem, was dazwischen passiert. Dabei zeigt sie, dass Realität und Realität nicht immer deckungsgleich sein müssen. Sie stellt Fragen nach der Konstruktion unser Welt und was passiert, wenn unterschiedliche Ideen von Welt aufeinander prallen. In Fotografien, Installationen, Sound- und Videoarbeiten lässt sie die Gleichzeitigkeit ihrer Orte miteinander verschmelzen, zeigt Grenzen, die unsichtbar schienen und lädt die BesucherInnen ein, gemeinsam ihren Begriff von Ort, Raum und dem dazwischen neu zu bestimmen.

 

Diese Ausstellung ist eine Kooperation von LAGE Kassel und Galerie Coucou.

07.—27. MAI 2016

»MEMORABILIA«

ROBERT STURMHOEVEL

Robert Sturmhoevel einzig als Maler der postmodernen Romantik zu bezeichnen wäre genauso verlockend und zugleich irreführend, wie sich von den glänzenden Oberflächen seiner Werke blenden zu lassen. Denn wenngleich die Verschmelzung von Traum und Wirklichkeit, die düstere Süße und Schönheit des Unbewussten in seinen Werkserien einen gewichtigen Platz einnehmen, kommen hierbei die »Mythen« nicht aus dem Mittelalter, sondern direkt aus seinem Umfeld. Vermeintlich persönliche Hintergründe sind die Basis für vordergründig unschuldigen Erzählungen, jedoch so konstruiert, dass der Betrachter ohne Mühen die Schatten eigener Erinnerungen darin sehen kann. Dadurch erzeugen die Narrationen seiner großen Szenerien und Bildserien stets eine beklemmende Stimmung und provozieren beim Betrachter eine seltsame Vertrautheit, aber auch Unsicherheit. Die Bildwelten Sturmhoevels scheinen fast »zu schön«, um wahr zu sein.

 

Die Galerie Coucou zeigt mit »Memorabilia« eine Übersicht seiner neuen Werke. Einige der großformatigen Malereien knüpfen an die Serien »Flashbacks« und »Brothers« an, die 2015 in den Räumen des Kasseler Kunstvereins zu sehen waren. Andere wiederum, wie die Aquarelle, eröffnen eine ganz neue Richtung seiner Erzählweise und sind somit eine Vorschau auf die in den nächsten Jahren kommenden Arbeiten.

In seiner neuen, kleinformatigen Edition der »Flecken« reizt Robert Sturmhoevel die Grenzen der Malerei aus, widersetzt sich der Banalität des Materials und löst die Farbe vom Bildträger, um ihr eine neue Haltung zu geben – ganz in der Schwebe zwischen Objekt und Fläche.

In einem überlagerten und präzise unverklärten Zustand befindet sich auch das »Karussell«. Ein aus der Traumwelt entrissenes Objekt, das eine scheinbar harte Landung in der Gegenwart hinter sich hat. Somit ein Beweis, dass auch die physische Welt vor der Gedächtnis- und Farbzersetzung Sturmhoevels nicht sicher ist. Die vorgetäuschte Täuschung dieses Fundstückes ist eine frühe und folgenschwere Entscheidung, die als Auftakt zu seinen späteren Narrationen gesehen werden kann.

So ist es ein sehr persönlicher Akt, wenn er Teile seines Atelierbodens und die darauf dokumentierten Arbeitsprozesse offen legt. Zum ersten Mal werden Teile aus »pieces« gezeigt wo der buchstäbliche Grund unter seinen Füßen zum pigmentverhafteten Zeuge und Tatort zugleich wird. Eine intime Einladung auf gemeinsamen Spurensuche zu gehen.

 

In der aktuellen Ausstellung greifen alte und neue Erzählstränge ineinander und entführen den Betrachter hinter den Spiegel vermeintlicher Erinnerungen, ganz ohne diesen zu zerbrechen. Die für diese Ausstellung neu produzierte Werke sind durch ältere, aber für Sturmhoevels Schaffen wegweisende, Stücke ergänzt und geben den Besuchern der Galerie die Gelegenheit ganz unmittelbar Teil dieses »Memorabilia« zu werden.

 

Robert Sturmhoevel ist 1983 in Berlin geboren, studierte an der Kunsthochschule in Kassel und wurde 2015 mit dem Kasseler Kunstpreis der Dr. Wolfgang Zippel Stiftung ausgezeichnet.

 

16.—29. APRIL 2016

»TAMED

DOMESTIZIERUNG DER SEHNSUCHT«

NINA JANSEN

Menschen ordnen die sie umgebende Welt, indem sie Ordnungssysteme entwickeln. Als Modell oder vereinfachte Beschreibung komplexer Zusammenhänge erlauben sie einen alltäglichen Umgang. Im Detail aber weisen sie Fehlstellen oder Unzulänglichkeiten auf, was etwa beim System »Zeit« zu einem »Schaltjahr« führt. Solcherlei Fehlstellen, Grenzen oder geplanten Umbrüche versteht Jansen als »poetische Lücke im System«. Diese Ausstellung zeigt vier Werkserien, die derartige Brüche in den Blick nehmen.

 

(1) Eine Serie von Fotografien zeigt historische Tierpräparate aus der Sammlung des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover. Dabei kommen verschiedenste Ebenen zum Tragen, die mit Sammeln und Ausstellen per se zu tun haben: Was erschien und erscheint es damals und heute wert, zu bewahren? Welche Tiere wurden präpariert – und warum sie? Welche Pose, welcher Charakter wurde ihnen zugeordnet? Jansen bildet die Tiere im strengen Profil ab – nicht ohne darauf hinzuweisen, dass letztlich jeder Standpunkt eine Interpretation darstellt. Auch der des scheinbar neutralen, bewahrenden Museums als wissensvermittelnde Institution. Die präparierten Tiere stehen für eine Entwicklung von Wissenssystemen. Beim Anblick der einst lebendigen Wesen stellt sich die Frage danach, welche Systematisierungen derzeit existieren, die einer nächsten Generation bald fremd erscheint.

 

(2) Wie lässt sich Zeit einfangen und abbilden, oder, wie es der Ausstellungstitel nahe legt, »zähmen«? Eine visuelle Forschungsarbeit geht der in Kassel erstmals gemessenen Sekunde nach. Diese wurde von Christoph Rothmann, Mathematiker und Astronom an der Sternwarte des Landgrafen Wilhelm IV von Hessen-Kassel im Jahr 1585 so beschrieben: »Die Dauer einer Sekunde ist nicht so sehr kurz, sondern kommt der Dauer der kleinsten Note in einem mäßig langsamen Lied gleich.« Was können wir uns darunter heute vorstellen? Im Videoloop folgen MusikerInnen und NichtmusikerInnen einer zuvor gegebenen Handlungsanweisung: nämlich die Geschwindigkeit eines Liedes mit der Hand anzugeben. Der Vorstellung der BetrachterInnen bleibt es überlassen, sich dieses Lied vorzustellen. Tatsächlich aber finden die sekundenangebenden Hände auch ohne derartige Hilfsmittel einen Konsens, was »mäßig langsam« sei – und diese Vorstellung liegt oftmals erstaunlich nahe beim Sekundentakt.

 

(3) Wie ist die Grenze der Wolke zu der sie umgebenden Atmosphäre zu setzen, wenn sie abgebildet wird? Der Apotheker Luke Howard begann eine Klassifizierung der Wolken die 1801 unter dem Titel »On the modification of clouds« veröffentlicht wurde und bis heute wirksam ist . Damals war es üblich, Wolken mit Zeichnungen zu dokumentieren. Doch gerade Wolken stellen BetrachterInnen vor Klassifzierungsprobleme, selbst wenn das Medium der Fotografie ein scheinbar genaueres Abbild verspricht: Das zeigen die über einen Zeitraum von sechs Jahren gesammelten Phänomene.

 

(4) Was ist ein Horizont? Unter einer Glaskuppel stellt Nina Jansen ihn aus. Sehen Sie sorgfältig hin. Und fragen Sie sich dabei, welchen Vergleich, welches System Sie gerade bemühen, um eine Fehlstelle zu füllen: Am Ende wohl eine Frage der Sehnsucht.

 

(Gila Kolb)

 

05.—25. MÄRZ 2016

»curiosity killed the cat«

PETER ANDERS

 

Erinnerung, Geschichte oder gesellschaftspolitische Ereignisse sowie die Frage nach der Funktion von Bildern sind zentrale Themen der Arbeiten von Peter Anders. Der Künstler bearbeitet diese Themen mittels Malerei, Objekt, Zeichnung und Installation und fokussiert auf das Zwiespältige, das Paradoxe und Aufgeladene alltäglicher Ereignisse. In der Galerie Coucou präsentiert er u. a. »Lieu de Mémoire - 34000 Jahre Grasnarbe«, klassische Zeichnungen von Rasenstücken. Der akribische Naturalismus der zeichnerischen Momentaufnahme zeigt historisch besetzte Orte, die Peter Anders zunächst als Foto von Freunden und Bekannten auf Anfrage erhielt. Beigefügt waren diesen jeweiligen historischen Lieblingsorten Notizen zu den geschichtlichen Ereignissen, welche die Einsender dazu bewogen hatten, diese historische Stätte zu wählen. Die ins Scheibenglas geätzten Jahreszahlen verweisen auf das Ereignis, welches der Einsender im Blick hatte. »Nimmt man etwa das Amselfeld, so war nicht die römische Stadtgründung von Ulpiania, nicht die Schlacht der christlichen Koalition gegen die Türken, sondern die Hetzrede Milosevics für den Zusender entscheidend«, kommentiert der Künstler die Beweggründe des Absenders dieses Rasenstück zu fotografieren. Gleichsam als Huldigung an die Grasnarbe entstehen großformatige Zeichnungen. Denn das, worüber Gras gewachsen ist, lagert wie Schichten unter dem Rasen. Und das Rasenstück bildet die einzige Konstante zwischen den geschichtsträchtigen Momenten an einem Ort und die Grasnarbe ist »ähnlich dem Spinnenpapier, das zwischen den Seiten eines Albums liegt, ewig das eine vom anderen trennt, bedeckt und wieder verbindet.« (Barbara Heinrich).

 

Eine weitere zeichnerische Reihe des in Berlin lebenden Künstlers befasst sich mit dem Phänomen der Neugier. Das Neue ist spannend, seine Erkundung birgt Abenteuer und Herausforderungen und eröffnet Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten. Andererseits aber birgt die Neugierde auch Gefahren. Eine Tatsache, die der Volksmund mit dem Sprichwort »Neugier ist der Katze Tod« umschreibt. Dabei ist Angst nicht zwingend ein hinderlicher Faktor für Neugierde, sie kann sogar — etwa als Suche nach dem ultimativen Kick — beflügelnd wirken. Doch die Neugier treibt bisweilen auch wunderliche Auswüchse. So zeigen die realistisch-figurativen wie auch schablonenhaft-abstrakten Zeichnungen, die Peter Anders als Tableau komponiert, Motive wie einen Wolpertinger, ein Beichtstuhlgitter, eine Berliner Polizeidrohne aus den 1980er Jahren, die Rutensammlung eines Flagellanten, einen naturkundlichen Schaukasten, einen schwarzen Zensurbalken oder den von Houdini gebauten Holzkasten, mit dem er das Treiben des Seancen abhaltenden Mediums Marjorie entlarvte. Die Anordnung des Tableaus, die sorgfältig und wohlüberlegt arrangiert ist, eröffnet mannigfaltige Assoziationsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Blättern und macht neugierig darauf, über die Neugier an sich nachzudenken: als kreativer Motor, Grenzerweiterung, Lustgewinn …

 

Neben den hier angesprochenen Arbeiten werden noch weitere zeichnerische Werke, die der Künstler in den letzten Jahren geschaffen hat, in den Räumen der Galerie Coucou präsentiert. Dazu gehören Einzelblätter, serielle Arbeiten oder auch »Nachbarhaus« (2015), eine mediale Grenzüberschreitung zwischen Zeichnung und Objekt. Die ausgestellten

Arbeiten gewähren einen Einblick in Themen, Arbeitsweisen und Ansätze heutiger Zeichnung und zeigen, dass Zeichnung als grundlegende künstlerische Ausdrucksform mit einem Minimum an Mitteln ein Maximum an Denkfreiheit gewährt.

 

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